Review Lilliput A7s

Roy FochtmanEquipment ReviewsLeave a Comment

Der Lilliput A7s 4K camera assist ist ein beeindruckender 7-Zoll Fieldmonitor für knapp 150 €. Da wir am Set oft mit einem externen Monitor arbeiten (und bisher immer einen ausleihen mussten) haben wir uns nun dafür entschieden, endlich einen eigenen Monitor zu kaufen. In diesem Review erzähle ich euch über unsere Erfahrung mit dem Lilliput A7s 4K camera assist und beantworte dabei auch die Frage: Für wen ist dieser Monitor gedacht?

Review Lilliput A7s

Vor einigen Wochen war es endlich soweit: Wir hatten keine Lust mehr darauf, einen externen Monitor für unsere Drehs auszuleihen und diesen immer wieder neu zu konfigurieren (ganz zu schweigen von den Kosten).  Wir wollten einen eigenen haben, der immer Drehbereit ist. Nach langer Recherche und internen Besprechungen haben wir uns dann dafür entschieden, den Lilliput A7S auf Amazon für 149 € zu bestellen. Außerdem haben wir dazu zwei Patona NP-F970-Akkus (55 €), ein Ladegerät (12 €) und ein Mikro-HDMI zu HDMI Spiral-Kabel (9 €) bestellt. Insgesamt, haben wir also 225 € ausgegeben. Gar nicht so schlecht, oder?

Der Lilliput A7s wird in einer schönen und robusten Pappbox geliefert, welche man natürlich als Transportschutz benutzen kann, wenn man noch kein passendes Pelican-Case dazu hat. Und was ist denn so alles drin?

Lilliput A7s Lieferumfang

Lilliput A7s Lieferumfang

  • 1x Lilliput A7s Monitor
  • 1x Silikon-Schutzgehäuse
  • 1x Sonnenschutzhaube
  • 1x Mini-HDMI zu HDMI Kabel (HDMI A/C)
  • 1x Blitzschuhhalter
  • 1x Batterieplatte F970
  • 1x Handbuch

Auf dem Monitor ist bereits eine Schutzfolie geklebt, welche sich einfach entfernen lässt. Alternativ kann man diese natürlich als Schutz drauf lassen. Das Schutzgehäuse kann sehr schnell an den Monitor angebracht oder vom Monitor entfernt werden. Ich würde euch aber empfehlen, dieses drauf zu lassen, falls etwas passieren sollte. Letzten Endes ist der Monitor nicht so robust wie andere (Small HD z.B.), da das Gehäuse aus (wahrscheinlich billigen) Plastik besteht.

Technische Eigenschaften

Nun schauen wir uns Mal die technischen Eigenschaften an:

Display

Der Monitor verfügt über ein 7” 8bit IPS-Panel mit einem Blickwinkel von 170°/170° !!! Egal aus welcher Perspektive man sich den Bildschirm anschaut (außer von hinten natürlich, klar), es gibt keine Farbverschiebung und das Bild ist super scharf! Lilliput: Respekt dafür. Das Display hat ein Seitenverhältnis von 16:10 und eine physikalische Auflösung von 1920×1200 Pixeln. Jetzt fragt ihr euch sicher, wieso der Monitor “4k camera assist” heißt, jedoch keine 4k-Auflösung hat… Das “4k” steht dafür, dass der Monitor ein 4k-Signal verarbeiten kann. Das heißt, ihr könnt den 4k-HDMI-Ausgang von eurer Kamera benutzen. Das Bild wird dann auf 1920×1200 runter gerechnet.

PPI Calculator: https://www.sven.de/dpi/

PPI Calculator: https://www.sven.de/dpi/

Mit einer Display-Größe von 7” und einer Auflösung von 1920×1200 Pixeln, hat der Lilliput A7s eine Pixeldichte von 323,45 PPI. Ab 300 PPI ist das menschliche Auge nicht mehr in der Lage, einzelne Pixel zu erkennen. Auch wenn das Auge richtig nah dran ist. Deswegen vermisse ich hier keine native 4k-Auflösung. Macht euch also nicht verrückt. Ich denke nicht, dass ihr 4k vermissen werdet. Zumindest nicht bei diesem Preis.

Lilliput A7s + Sony a6300

Lilliput A7s + Sony a6300

 

Außerdem hat das Display eine Helligkeit von 500cd/m² und ein Kontrast von 1000:1. Bisher gefällt mir vieles sowohl in der Theorie als auch in der Praxis sehr gut. Allerdings gibt es eine Kleinigkeit, die mir nicht gefällt: Das Display ist leicht verspiegelt… Das heißt, ihr werdet einige Reflektionen haben, vor allem bei Außendrehs… Aber hey… für 150 € kann man sich nicht beschweren, oder?

Anschlüsse

Auf der linken Seite befinden sich alle Anschlüsse: Ein 3,5mm-Klinkenausgang, HDMI-In und HDMI-Out, und ein DC-12V-Eingang.

Lilliput A7s Anschlüsse

Lilliput A7s Anschlüsse

Ihr könnt eure Kopfhörer anschließen und die Audio-Levels überwachen. Wenn ihr schon Mal mit einer Sony a6300 oder a6500 gearbeitet habt, kennt ihr das Problem: Die Kameras haben zwar einen Mikrofon-Eingang aber keinen Klinkenausgang. Dies könnt ihr aber umgehen, indem ihr die Kamera über ein HDMI-Kabel mit dem Monitor verbindet. Dann verbindet ihr die Kopfhörer mit dem Monitor und voilá, ihr könnt hören, was eure Kamera aufnimmt.

Folgende HDMI-Formate werden unterstützt: 4k 30Mhz, 1080p, 1080i, 720p, 576p, 576i, 480p, 486i. Der Monitor verfügt außerdem über zwei 1/4“ Anschlüsse (einen oben und einen unten). So kann er auf jedes beliebige Stativ, Magic-Arm, etc. montiert werden. Auf der Rückseite befindet sich eine F970 Batterieplatte, welche ausgewechselt werden kann, falls ihr mit anderen Akkus arbeitet.

Lilliput A7s F970 Akku

Lilliput A7s F970 Akku

Mit einem vollgeladenen F970-Akku funktioniert der Monitor gute sechs Stunden. Mit zwei F970-Akkus sollte es also für etwa einen Drehtag mehr als genug sein.

Sonstiges

Der Monitor ist 18,2 cm breit, 12,4 cm hoch und hat eine Tiefe von 2 cm. Der Plastikrand ist zwar nicht unbedingt störend, aber für die zweite Version würde ich mir schon einen dünneren Rand wünschen. Ohne Akku wiegt der Monitor 320 g. Relativ leicht, also.

Features & Menü

Genug von den technischen Eigenschaften. Lasst uns am besten mit den tatsächlichen Features des Monitors weitermachen, denn… es sind auch einige…

Lilliput A7s Knöpfe

Lilliput A7s Knöpfe

Der Monitor verfügt über nur vier Knöpfe und einem Rad/Knopf. Mit dem ersten Knopf kann der Monitor an- und ausgeschaltet werden. Der zweite und der dritte Knopf sind programmierbar. Der vierte Knopf ist “Exit” und wird benutzt, um das Menü zu verlassen, oder zurück zum Vormenü zu springen. Der fünfte Rad-Knopf aktiviert beim Drücken das Menü.  Das Rad kann zum Navigieren durch die Menüs verwendet werden.

Das Menü

Das Menü ist in sechs Bereichen unterteilt:

  1. Picture: Helligkeit, Kontrast, Sättigung, Tint, Schärfe und Farbtemperatur
  2. Marker: Center Marker, Aspect Marker, Safety Marker, Marker Color, Grid, Marker Mat, Thickness
  3. Function: Scan, Aspect, Underscan, Check Field, Zoom, Freeze, DSLR
  4. Waveform: Peaking, Peaking Color, Peaking Level, False Color, Exposure, Exposure Level, Histogram
  5. Audio: Volume, Level Meter
  6. System: Language, OSD Timer, Image Flip, Back Light, F1 Configuration, F2 Configuration, Reset

Da ich eher ein Review, als eine Bedienungsanleitung schreibe, möchte ich nicht alle Punkte im Detail beschreiben. Jedoch gibt es einiges, worüber ich euch gerne etwas mehr erzählen möchte…

Unter Menüpunkt 2 (Marker) findet ihr alle wichtigen Eigenschaften zu den Markern (was für ein Zufall!!!).

Lilliput A7s Marker

Lilliput A7s Marker

Besonders cool finde ich, dass man unter “Aspect Marker” alle üblichen Overlay-Formate auswählen kann: 16:9 (HD Video), 1.85:1 (Academy Ratio), 2.35 (CinemaScope):1, 4:3 (Traditional TV) und 3:2 (35mm Film-Format). Viele von uns produzieren Filme im z. B. CinemaScope-Format, einfach weil es eben diesen cinematischen und professionellen Look hat.

Lilliput A7s CinemaScope 2.35:1

Lilliput A7s CinemaScope 2.35:1

Deswegen ist es schon sehr praktisch, finde ich, diese Overlays auf dem Monitor zu haben, denn es hilft vor allem bei der Komposition unserer Bilder. Die Farbe, Dicke und Transparenz der Marker kann auch angepasst werden. Ich persönlich arbeite lieber mit einem etwas durchsichtigen Overlay (Marker Mat 1) und einer weißen dünnen Trennlinie (Thickness 2).

Unter Menüpunkt 3 (Function), kann das Scanverfahren angepasst werden (Aspect, Pixel to Pixel und Zoom).

Lilliput A7s Function

Lilliput A7s Function

Nach mehreren Tests habe ich herausgefunden, dass das Focus Peaking am besten mit “Pixel to Pixel” funktioniert. Probiert es selber aus. Das liegt wahrscheinlich daran, dass in diesem Modus das Focus Peaking mit dem ursprünglichen 4k-Signal (statt mit dem sichtbaren Full-HD) funktioniert. Ist aber nur eine Vermutung von mir. Wenn jemand das Bestätigen kann, oder eine andere Erklärung dazu hat, schreibt das bitte in die Kommentare, dann haben wir alle was davon. Ich würde euch hier auch empfehlen, unter “Aspect” euer Seitenverhältnis einzugeben, sodass später das Material nicht auf 16:10 gestreckt wird. Unter “Check Field” könnt ihr das Mono-, R-, G- und B-Kanal einzeln auswählen. Focus Puller, die gerne mit SW + farbigen Focus Peaking arbeiten, dürfen sich auf den Mono-Kanal freuen. Unter “Zoom” könnt ihr den Zoom-Faktor auswählen. Wenn ihr später über “Scan” auf “Zoom” geht, wird das Bild um diesen ausgewählten Faktor vergrößert. Gutes Feature, oder?

Und nun kommt der Menüpunkt, auf welchen ihr euch schon die ganze Zeit freut: Waveform!

Lilliput A7s Waveform

Lilliput A7s Waveform

Unter diesem Menü könnt ihr die wichtigsten Eigenschaften zum Peaking, False Color, Exposure (Zebras) und Histogramm anpassen! Das Peaking kann an- und ausgeschaltet werden. Es gibt natürlich eine Farbe für jeden von euch: Rot, grün, blau, weiß und schwarz. Na gut, wahrscheinlich fehlen hier doch einige Farben… Aber hey, mit diesen kommt man schon gut klar. Die Intensität des Peakings kann unter “Peaking Level” verändert werden: umso kleiner die Zahl ist, umso empfindlicher wird das Peaking und umso mehr wird angezeigt. Weiter geht’s mit False Color, welches einfach an- und ausgeschaltet werden kann. Ein gutes Video dazu, findet ihr hier:

Die Zebras könnt ihr unter “Exposure” an- und ausschalten und unter “Exposure Level” könnt ihr den Prozentwert auswählen ab welchem die Zebras zu sehen sind. Der letzte Punkt, Histogramm, schaltet diesen an oder aus. Hier geht’s zum offiziellen Handbuch von Lilliput A7s.

Vergleich zu anderen Monitoren

Lasst uns kurz den Lilliput A7s mit anderen Monitoren vergleichen. Damit werdet ihr sehen, was ihr für 150 € bekommt.

Lilliput A7s Small HD Focus 5 TVLogic LVM-075A smallHD 702 bright
Anzeigebildschirm 7” 8-bit IPS 5″ 10-Bit IPS 7” 7” 8-Bit LCD
Auflösung 1920 x 1200 1280 x 720 1920 x 1080 1920 x 1080
Helligkeit 500cd/m² 800cd/m² 600 cd/m² 1000cd/m²
Kontrast 1000:1 ? 800:1 1000:1
HDMI Ja Ja Ja Ja
SDI Nein Nein Ja Ja
LUTs Nein Ja ? Ja
Peaking Ja Ja Ja Ja
Zebra Ja Ja Ja Ja
Vectorscope Nein ? Ja ?
Waveform Nein Ja Ja Ja
Histogram Ja Ja Ja Ja
False Color Ja Ja Ja Ja
Gewicht 320g 106g 1,04 kg 368g
Preis 149 € 550 € 2240 € 1636 €

Fazit

Der Lilliput ist ein Low-Budget Fieldmonitor für Filmemacher, die noch ein bisschen warten wollen oder müssen, bis sie sich z. B. ein smallHD 702 bright oder Ähnliches leisten können. Indie-Filmemacher werden sich auf den A7s freuen. Bist du Kameraassistent und hast noch keinen Fieldmonitor? Dann ist dieser Monitor natürlich auch für dich. Der Monitor ist preiswert, gut verarbeitet und für das Geld bekommt man nicht nur ein 7” IPS-Display, sondern auch eine Menge Features.

Nur einige Kleinigkeiten vermisse ich: LUTs, ein SDI-Eingang, Waveforms, USB-Anschluss für mögliche Firmware-Updates, Touchscreen. Mit all diesen Features, wären wir jedoch schon in einer komplett anderen Preiskategorie.Für 150 €, lohnt sich der Kauf, auf jeden Fall.

Den Monitor könnt ihr bei uns ab sofort über Gearo mieten.

Ich hoffe, dass ihr diesen Beitrag hilfreich fandet. Mit welchem Fieldmonitor arbeitet ihr? Lasst uns das in den Kommentaren wissen! Vielen Dank für`s Lesen und Kommentieren.

Euer Roy.